Tätigkeitsbericht der Doggen-Nothilfe für 2004-2006

 

Schon im letzten Bericht der Doggen-Nothilfe (2003/2004) war meine Grautiger-Hündin JESSICA auf dem Deckblatt zu sehen. Damals feierte sie ihren neunten Geburtstag. Jetzt im Sommer 2006 ist Jessica elf Jahre alt geworden.

            Jessica im Herbst 2005

Vor neun Jahren habe ich sie als zweijährige Hündin aus einem Käfig -  ca. 4qm, mit Betonboden und einer Luke in der Steinwand, hinter der es wohl ein Loch zum Liegen gab, kalt und hart und völlig dunkel - freikaufen können.

 

Es gab ein wochenlanges Bangen und Hoffen, ob es gelingen würde, sie dort herauszuholen. Dann – ganz unerwartet – wurde mir diese Doggenhündin zum Kauf angeboten, da man sie sowieso nicht mehr haben wolle, denn sie sei kein Wachhund. Ich durfte Jessica erstmals aus der Nähe sehen. Sie stand hoch aufgerichtet am Drahtgitter – wie so viele Doggen danach- und bettelte gestreichelt und raus gelassen zu werden. Dann wurde die Käfigtür geöffnet und eine kleine magere Grautigerhündin kam zu mir und ließ sich streicheln, lief dann aber schnell in eine kleine Stallkammer, um sich gierig und zitternd vor Erregung auf die noch viel zu heißen Pellkartoffeln, die ihre Hauptnahrung waren, zu stürzen.

An den Ellenbogen dicke Liegeschwielen, die Rute voller verhornter Druckstellen und blutig gescheuerte Sitzhöcker, da sie immer auf dem blanken Betonboden saß, um wenigstens etwas draußen von der Welt durch das Gitter hindurch sehen zu können.

Ich habe den verlangten Kaufpreis zugesagt und durfte sie drei Tage später aus Brandenburg nach Schleswig-Holstein holen. Entgegen allen meinen vorherigen Überlegungen habe ich die Jessy dann doch zu meinen zwei Dogen zu uns nachhause geholt. Wochen später habe ich in meinen Aufzeichnungen notiert: “Jessy ist mein Hund geworden, lebendig und neugierig, aktiv und kuschelig. Sie lebt ihr Leben mit einer anrührenden Intensität.  Wenn sie traurig ist, scheint die Welt für sie unterzugehen und in ihrer Freude ist sie ein jubelnder lachender Hund. Es ist als ob sie jeden Tag von neuem dieses Leben, das ihr so herrlich erscheinen muß, mit ihren geliebten Grautigerpfoten ergreift und festhält, um nichts zu verpassen. Als sie in den Sommertagen so oft vom wilden Hundespiel mit Pablo und Kalina auf der Koppel in den Garten zurück gerannt kam mit diesem lachenden Hundgesicht und hängender Zunge und sich in den kleinen Teich stürzte und dann in meine Arme. Welch ein Glück!“

Viele Jahre sind seitdem vergangen und Jessica ist immer noch bei mir, Pablo und Kalina haben uns für immer verlassen. Mit ihr lebt der jetzt gerade zweijährige Peter. Jessy ist immer noch eine aktive und neugierige Hündin und eine kompetente Erzieherin des jungen Rüden. Immer noch will sie überall dabei sein mit diesem fast unstillbaren Bedürfnis nach Zuwendung. Sie steigt noch meist mühelos ins Auto und die Treppen im Haus. Die Spaziergänge sind kürzer geworden und das Renntempo auf der Koppel verhaltener. Ein Besuch beim Kardiologen vor einigen Wochen hat ergeben, dass ihr Hundeherz vollständig gesund ist. Vielleicht darf sie noch einige Zeit bei uns bleiben.

Die Begegnung mit Jessica vor neun Jahren war für mich der Beginn der Doggen-Nothilfe. Unser Logo ist ihr Grautiger-Kopf.

 

Auch diesmal will ich nicht alle Doggen, die wir 2004,2005 und in den ersten Monaten des Jahres 2006 aufgenommen  und vermittelt haben, darstellen.  Es soll beispielhaft von einigen Doggen, deren Geschichte und deren Zustand uns besonders in Erinnerung geblieben sind, berichtet werden. Da wir im Internet bereits jeweils ganz aktuell von ROSALY, von BORA und  von STÖPSEL  erzählt haben, habe ich so lange gezögert, überhaupt noch einen Tätigkeitsbericht zu schreiben. Doch nicht alle Freunde der DOGGEN-NOTHILFE haben einen Internet-Zugang. Und wir sind in den letzten Jahren nicht untätig gewesen.

Ohne die großartige  Hilfe von Rosi Kehler als Doggen-Mama und - Trainerin wäre all unsere Arbeit nicht leistbar gewesen. Rosi nimmt unsere heimatlosen Doggen in ihre Menschen- und Hundefamilie auf, auch die „schwierigen“ Hunde, die bereits von Ordnungs- und Veterinärbehörde überwacht werden. Rosis Fachkenntnis und ihr Zuversicht immer zugunsten des Hundes, d.h. an die Doggen zu glauben, die zunächst als so schwierig gelten, das ist immer wieder eindrucksvoll . Und ihre Erziehungsergebnisse - immer auf dem Hintergrund von Beziehung zwischen Hund und Mensch - geben ihr stets Recht.

Ebenso unverzichtbar für das, was wir tun konnten, ist die stete Hilfsbereitschaft von Sabine und Horst Krause. Es wurden immer wieder abgegebene Doggen, die ganz schnell einen Unterschlupf finden mussten, von ihnen in ihr Haus aufgenommen, ein gemütlicher Hundekorb steht dort bereit. Sabine und Horst haben zum Beispiel die Hündin aus Griechenland vom Flugplatz in Hamburg abgeholt und viele andere Doggen in ihr neues Zuhause  gebracht, teilweise mehrere hundert Kilometer weit. Ein herzliches Dankeschön für diese tatkräftige Hilfe.

 

 

Im Oktober 2005 konnten wir von einer anderen Tierschutzorganisation, zu der es seit Jahren Kontakte gibt, zwei Junghunde übernehmen. Die blaue TOSCA und der Grautiger VINCENT, beide 6 Monate jung. Sie kamen aus Tschechien und sollten nach Südafrika verschifft werden. Menschen vom Tierhilfe Papenburg- Team konnten sie freikaufen. Wir wissen nicht, was diese  Doggenkinder bis zu diesem Zeitpunkt schon erlebt und erlitten hatten. Besonders TOSCA  war sehr ängstlich, hatte fast panische Angst vor Autos. Beide Hundekinder haben ein liebevolles Zuhause gefunden. Herzlichen Dank an Frau Lohmann  und ihr Team von der Tierhilfe Papenburg..

 

SHADOW , ein zweijähriger blauer Rüde wurde im Sommer 2006 von seinen Menschen aus Gründen, die eher unklar blieben, bei uns abgegeben. Er wurde zu Krauses gebracht und dort wie ein Paket abgestellt. Wir konnten SHADOW ziemlich rasch an Menschen vermitteln, die ihn unbedingt haben wollten. Aber nach wenigen Wochen wurde er zurückgegeben wegen seiner Wildheit und seines Ungehorsams. Rosi nahm ihn auf und erkannte schnell ,dass es diesem ungestümen Junghund an Möglichkeit zum Spielen und Toben mit anderen Hunden fehlt und natürlich auch an Erziehung. Nach wenigen Wochen war SHADOW ein liebenswerter , gut zu leitender und verträglicher Hund. Inzwischen hat er ein neues Zuhause gefunden.

 

 Im Frühjahr 2oo6 erreichte uns die Anfrage von einer in Griechenland tätigen Tierschutzorganisation, ob wir drei Junghunde (Doggen-Mixe, 5 Mon. jung,) aufnehmen würden. Wir sagten zu und erkundigten uns sofort nach der Mutterhündin. Dann bekamen wir Bilder der Junghunde und wir sahen im Hintergrund eine schwarze Doggenhündin an der Kette .Seit dieser Zeit bemühten wir uns intensiv diese Hündin zu kaufen.. Die Tierschützer vor Ort machten uns wenig Hoffnung, die Hundemama zu bekommen. Wir signalisierten Bereitschaft, auch viel Geld zu bezahlen (was wir damals nicht hatten und auch heute nicht haben). Nach wochenlangem bangen Warten die wundervolle Nachricht, dass wir LISA für 3oo Euro kaufen könnten. Dieser Erfolg ist den Tierschützern vor Ort zu danken. Schon am nächsten Tag konnte Lisa nach Deutschland geflogen werden. Sie wurde von Sabine und Horst Krause am Flughafen in Hamburg abgeholt und von Rosi Kehler aufgenommen. Lisa konnte schon kurze Zeit später in ein liebevolles und sicheres Zuhause einziehen.

Zwei der Hundekinder AISCHA und ANGIE aus Griechenland kamen ebenfalls zu Rosi.

Bei ANGIE fiel schon bald eine deutliche Lahmheit auf, was sich dann als eine ED (Ellenbogen-Dysplasie) auf beiden Seiten herausstellte, die dringend operiert werden musste. Diese OP sollte ca. 5oo Euro kosten, was uns finanziell total überfordert hätte. Doch eine Familie aus Südwestdeutschland war sehr an Angie interessiert und bereit, die notwendigen Operationen in einer kompetenten Tierklinik auf eigene Kosten durchführen zu lassen. Inzwischen ist die junge Hündin operiert worden, es geht ihr gut und sie ist der Liebling der Familie. Auch die Schwester Angie  hat ein liebevolles Zuhause gefunden.

 

 

BORA lebte zusammen mit einer zweiten Doggenhündin in einer kleinen Wohnung in Berlin, beide Hündinnen mussten lange und viel allein sein. Es hat dann zunehmend Beißereien gegeben, die angeblich von der damals schon etwa siebenjährigen BORA ausgingen. So wurde sie abgegeben und unsere Doggen-Eltern Sabine und Horst haben sie aufgenommen. Nach mehreren Umwegen fand BORA endlich ein liebevolles und verständnisreiches Zuhause bei Frau und Herrn Schmits. Als ich Bora dort etwa eine Woche später besuchte und dabei sein konnte wie diese ältere Hündin ohne Leine mit uns spazieren ging, bereits ganz eng gebunden an ihre Menschen, voller Freude am Toben und Spielen wie ein junger Hund, das war ein eindrucksvoll

 

les Erlebnis. Auch hier gibt es einen ausführlichen Bericht über Bora auf unserer Internetseite.

 

STÖPSEL diesen Namen hat der alte Doggenrüde schon am ersten Tag von seiner damaligen Pflegemama erhalten, die sich dann aber nicht mehr von diesem so kranken Hund trennen konnte. Bevor STÖPSEL zu uns kam, musste er - ausgesperrt aus dem Haus, da die Menschen sich getrennt hatten - in einem Schuppen draußen in der Kälte leben. Nachdem der arme Kerl immer mehr die Futteraufnahme verweigerte und die Gefahr bestand, dass er die eisigen Winternächte nicht würde überleben können, rief ein Nachbar bei uns an und erzählte von dieser Notsituation. Schon am nächsten Tag fuhr Frau Behrendt, die ich bis dahin nur von Telefongesprächen kannte, zu Stöpsel und holte ihn zu sich. Es gibt einen ausführlichen Bericht dazu auf unserer Doggen-Nothilfe-Seite.

 

ISA, von ihr hörten wir über eine Frau, die eine Doggen-Hündin von uns hat. Isa war im Nachbarort aus dem Haus ausgesperrt worden, da die Frau des Hauses schwer erkrankt war und der Arzt ihr gesagt hatte, der Hund dürfe nicht mehr ins Haus. Es waren sehr kalte Wintertage und -nächte, Isa weinte stundenlang vor den Außentüren, um wieder hineingelassen zu werden, aber vergeblich. Wir konnten ISA bekommen und sie hat inzwischen ein wunderschönes Zuhause gefunden.

 

ANTONETT war an der Kette angebunden auf einem Schrottplatz in Mecklenburg, wo alte Autos gesammelt wurden um sie nach Russland zu bringen. Ein altes Möbelstück aus Spanplatten waren zu einem Unterschlupf zusammengestellt. Antonett wurde an die Leute verkauft, weil sie keine Welpen bekam. Vorher war sie eine erfolgreiche Ausstellungshündin. Die Vorbesitzerrin wusste von diesem Zustand. Dort in Kälte und sozialer Isolierung und weitgehender Monotonie musste Antonett leben bis wir von ihr erfuhren. Wir konnten sie freikaufen und ein Zuhause mit engem Menschenkontakt für sie finden, dort ist Antonett eine viel geliebte Hündin, die ihrem Frauchen nicht von der Seite weicht.

 

Uns erreichte ein Notruf vom Veterinäramt, dass zwei Doggen ein Kind gebissen hätten und die Überlegung bestand, beide Hunde einzuschläfern. Sofort hat Rosi sich bereit erklärt, beide Doggen aufzunehmen. HERMANN ein gefleckter Rüde, LADY schwarz, beide zwei Jahre jung, freundlich und menschenbezogen. Dann erfuhren wir nach und nach den Ablauf des Geschehens: Beide Hunde mussten im Zwinger leben. Draußen tobten Kinder und spielten mit dem Ball. Hermann wollte so gern mitspielen, er sprang gegen den Zaun, der dann wohl nachgab und die Maschen öffneten sich. Beide Kinder rannten mit dem Ball weg, eines stolperte und fiel hin. Und Hermann stand über dem kleinen Menschen. Bissverletzungen sind später nicht gefunden worden. Hermann wollte nur den Ball. Aber das ganze Dorf startete eine Hetzkampagne gegen den Hundehalter und seine Doggen. Inzwischen haben Hermann und Lady (getrennt) ein Zuhause bei Menschen gefunden, die mit ihren Doggen wirklich zusammen leben wollen.

 

Das uns alle sehr bewegende Ereignis war der endlich gelingende Freikauf von ROSALY, einer jahrelang im Käfig sitzenden Zuchthündin. Ich selbst hatte Rosaly zum ersten Mal 1999 in ihrem Käfig gesehen, eine noch nicht einmal zweijährige Hündin, fast noch ein Kind ohne Menschenkontakt ohne Hundespiel ohne Laufen und Rennen, bestimmt zum Produzieren von Welpen zum Verkauf. Sie war damals unverkäuflich. Fast 5 Jahre haben wir auf die Möglichkeit hingearbeitet, diese arme Hündin zu bekommen. Dann endlich Ende 2oo4 gelang dies. Ein ausführlicher Bericht über ROSALY ist auf unserer Internet-Seite. Im Zusammenhang mit der Befreiung von Rosaly und unseren Texten dazu, bin ich nach mehr als zwanzigjähriger Mitgliedschaft im DDC ( Deutscher-Doggen-Club) wegen „Vereinsschädigenden Verhaltens „ dort ausgeschlossen worden.

 

Im Herbst 2004 erreicht uns ein Hilferuf einer Frau, die eine Tierpension hat. Ein Doggenrüde, der bei ihr untergebracht war, hatte eine Angestellte gebissen. Der Vorfall wurde der Veterinärbehörde bekannt und es wurde über die Tötung des Hundes laut nachgedacht. Als wir das Telefongespräch erhielten, soll der Tierarzt mit der Todesspritze schon unterwegs gewesen sein. Innerhalb von Minuten entschloss sich Rosi, diese Dogge bei sich aufzunehmen. So zog KURT, ein wunderschöner Porzellantiger bei Rosi ein. Zuvor hatte er einen anderen Namen, Rosi nannte ihn Kurti, der nach und nach eine intensive Bindung zu ihr aufbaute, so dass sie mit ihm arbeiten konnte. Sein Hauptproblem war sein ausgeprägter Schutztrieb, um „seine“ Menschen zu verteidigen, biss er auch schon mal bei einem vermeintlich Fremden zu. Um Kurtis Verhalten besser zu verstehen, hat Rosi versucht, viel über seine bisherige Lebensgeschichte zu erfahren:

Als Welpe kam Kurt zu Menschen, die ihn nicht wirklich erziehen konnten und es somit versäumten, den schon früh bei diesem Rüden erkennbaren ausgeprägten Schutztrieb unter Kontrolle zu bekommen. So wurde er an andere Menschen abgegeben, es muss dort eine gute Zeit für ihn gewesen sein, Verhaltensprobleme gab es nicht. Dann aber trennten sich diese Menschen und konnten ihn nicht behalten (!?), sein Frauchen musste aus dem Haus ausziehen und für den Hund gab es keinen Platz mehr. Kurti wurde in eine Hundepension gegeben, allein ohne seine Menschen und ohne sein Zuhause. Was für eine psychische Verletzung für den armen Kerl. Dort biss er – aus Verzweiflung, Wut, Trauer – eine dort tätige Frau. Dann kam er zu uns.

Irgendwann in der zurückliegenden Zeit muss es den Versuch eines Hundetrainers (?) gegeben haben, den Schutztrieb dieser Dogge mit einem Elektrohalsband einzudämmen. Kurti soll damals nur noch apathisch auf dem Boden gelegen haben, ohne sich zu bewegen.

Rosi hat mir immer viel von Kurti erzählt, er war ihr besonders wichtig, wurde auch immer mehr ihr Hund. Er wurde ihr gegenüber ein gehorsamer Hund, von dem Rosi sagt, er möge nicht alle Menschen, suche sich seine Menschen aus. Noch einmal wagten wir es, Kurti Menschen anzuvertrauen, die ihm ein Zuhause geben wollten. Doch nach wenigen Wochen kam er zurück. Es vergingen weitere Monate, immer noch hatten wir Kurti auf unserer Homepage. Aber alle Menschen, die sich für ihn interessierten – es waren nicht viele – erschienen uns nach ausführlichen Gesprächen als ungeeignet für ihn. Dann aber meldeten sich Menschen, die alle unsere Vorstellungen und Anforderungen erfüllten. Kurti wurde besucht und er zeigte deutlich seine Sympathien für diese Mensch, auch der Labradorrüde der Familie wurde gern als Spielpartner akzeptiert. Kurti durfte mit in sein neues Zuhause fahren. Doch in diesem Zuhause gab es noch eine Doggenhündin, die Kurti nicht in ihrem Revier duldete. Tieftraurig wurde Kurti wieder an uns zurückgegeben und wir trauerten mit ihm. Wir haben jetzt beschlossen, dass Kurt für sein ganzes weiteres Leben (er ist inzwischen 6 Jahre alt) bei Rosi bleiben darf. 

 

 

Die Anzahl der Doggen in Not bei uns ist gegenüber früheren Jahren zurückgegangen, es gibt unterschiedliche Erklärungsansätze dafür. Sicher sind jetzt mehr Tierschutzorganisationen tätig, die sich für Doggen engagieren als vor fast zehn Jahren, als wir begannen diesen Weg zu gehen. Vielleicht ist die Zahl der Doggen insgesamt rückläufig (die Welpenproduktion scheint nicht mehr so gewinnversprechend zu sein) und vielleicht (aber das wäre zu schön, um es ernsthaft anzunehmen) gehen Menschen sorgsamer mit ihren Doggen um. Aber angesichts der Tatsache wie wir Menschen weiterhin und zunehmend Tiere, die mit uns auf dieser gemeinsamen Erde leben, gebrauchen, verbrauchen und missbrauchen, lässt sich eine hoffnungsvollere Sichtweise nicht aufrechterhalten. Viel schmerzlicher ist die Vermutung, dass wir von dem Elend vieler Doggen nichts erfahren. Besonders schlecht zugänglich sind die Bereiche, wo Hündinnen als reine Gebärobjekte ihr Leben verbringen müssen. Diese „Zuchtbetriebe „ sind nach außen hermetisch abgeschlossen.

 

Die Vermittlung „unserer“ Doggen in ein Zuhause, das unseren Anforderungen an das Zusammenleben von Mensch und Hund entspricht, ist unverändert mühsam.

 

Aber es gibt sie diese Menschen, die nicht „irgendeinen großen Hund“ haben wollen, sondern nur eine Dogge. Viele Menschen sind darunter, die zuvor mit einer Dogge zusammenlebten und die diese für sie wundervolle Erfahrung noch einmal machen wollen. Es sind aber auch Menschen, die darum wissen, dass Hunde, die wir ihnen anvertrauen, bereits einen Teil ihres Lebens in der Regel unter sehr belastenden Umständen verbracht haben. Sie wissen, dass sie Geduld und Verständnis für diese teilweise traumatisierten Doggen haben müssen. Doch Menschen, die bereit sind diesen Weg zu gehen, werden dann auch dieses Glück einer gelingenden Hunde-Mensch-Beziehung erleben.

 

Natürlich gibt es auch die vielen anderen Menschen, die gleich zu Beginn eines Telefonkontaktes nach dem „Preis“ für eine unserer Doggen fragen, die fordern, der Hund müsse „gut erzogen und stubenrein“, „wesensfest“ und „garantiert gesund“ sein, darf „nicht sabbern“ und „nicht haaren“. Sowohl die „komfortable Hütte“ im Garten, als auch die Wohnung im 5.Stock eines Mietshauses, eine Schar von drei Kleinstkindern und die Zusage die Dogge den ganzen Tag über im Auto sitzen zu haben (Kundenbesuche) oder das mehrere tausend Quadratmeter große Grundstück, auf dem die Dogge den ganzen Tag über herumlaufen kann, vermögen uns nicht zu überzeugen. Wir alle, die wir an der Befreiung und an der Vermittlung unserer Doggen so tatkräftig und emotional engagiert sind, leben selbst seit Jahren und teilweise Jahrzehnten mit Doggen zusammen. Und unsere eigenen Doggen lehren uns jeden Tag, wie Doggen mit ihren Menschen leben wollen.

 

Ein für mich wichtiges Kriterium eines Doggen-Zuhauses ist neben der Bereitschaft des Menschen viel Zeit mit viel Freude und innerer Befriedigung mit seinem Hund verbringen zu wollen, die Qualität des Schlaf- und Ruheplatzes für diesen großen Hund. Ziemlich oft habe ich interessierten Menschen keine unserer Doggen gegeben, weil sie unbelehrbar meinten, ein passender Hundeplatz sei z.B. unter einer Treppe fernab vom Wohnbereich oder in einem Abstellraum. Auch das getrennte „Hundezimmer“ erscheint mir nicht angemessen. Nur der Hundeplatz, von dem aus Kontakt zu den vertrauten Menschen hergestellt werden kann, scheint mir akzeptabel. Am besten sind mehrere Plätze. Weder die „Matte“ auf dem Fliesenboden, noch die beliebte Kinderbettmatratze, die in der Regel zu  klein und zu dünn für eine große und schwere Dogge ist, können mich überzeugen. Ich wünsche und fordere für unsere Doggen einen besonders kuscheligen und komfortablen Ruheplatz, mindestens 110 x 110 cm groß und 1o-15 cm hoch und bitte mit Kopfkissen und möglichst Rückenlehne.

 

              Jessica Gorski auf ihrem Lieblingsplatz

 

              Peter und Jessica Gorski

Aktiver Tierschutz ist harte Arbeit in mehrfacher Hinsicht. Es ist tatkräftiges Tun, aber immer wieder auch Erleiden, Erkennen nichts tun zu können, handlungsunfähig zu sein. Es ist das Wissen um eine Dogge in Kälte, Not und Einsamkeit und diese oft wochenlange erzwungene Untätigkeit. Weil es z.B. keinen Zugang zu dem Hund gibt (wird vom Eigentümer verweigert) oder weil keine Bereitschaft des Eigentümers besteht, den Hund (im Keller, im Schuppen, an der Kette) freizugeben, oft mit dem Hinweis diese Dogge ja so zu lieben. Meist gelingt das nur über ziemlich viel Geld, das wir bieten müssen, diese Dogge zu bekommen. Hunde, die aus diesem Lebenshintergrund stammen, sind natürlich nicht geimpft und meist dringend medizinisch behandlungsbedürftig.

Aber wenn es dann nach wochenlangen Bemühungen und Suchen nach immer neuen Umwegen wirklich gelingt eine Dogge aus so elenden Lebensbedingungen herauszuholen, dann ist das eine intensive Glückserfahrung, an der wir alle teilhaben dürfen und die uns Kraft zum Weitermachen gibt. Für mich ist es aber immer auch ein winziges Schrittchen Wiedergutmachung an dem   Entsetzlichen und Ungeheuerlichen, das wir Menschen Tag für Tag den Tieren, die mit uns gemeinsam auf dieser Erde leben, antun. Die Bilder all der gebrauchten, missbrauchten und unsäglich verdinglichten Tiere sind unauslöschbar und ebenso untilgbar Gefühle von Schuld und Scham. Was ich – und wir alle in der Doggen-Nothilfe - tun können ist nur wenig angesichts des Ausmaßes von Tierelend. Aber wir tun das Wenige. Damit verbunden ist das Bedürfnis und die Notwendigkeit für unsere Doggen, die wir aus elenden Verhältnissen geholt haben das beste aller möglichen Zuhause zu suchen solange bis wir es gefunden haben . Wir sind nicht bereit, hier Kompromisse einzugehen, denn unsere Doggen sollen diese wenigen Jahre ,die sie noch bei uns sein können (die Lebenszeit eines Hundes v. a. einer Dogge ist ja ohnehin im Vergleich zur Menschenlebenszeit so kurz) als ein Leben voller Zuwendung, Freude und gemeinsamen Aktivitäten mit ihren Menschen erleben dürfen.

 

 

Eindrucksvoll die immer länger werdende Liste von so genannten Abgabegründen d.h. verbale Begründungen, die genannt werden, wenn eine Dogge ihr bisheriges Zuhause verlassen muß. Sehr häufig in den letzten Jahren sind es Trennungen von Partnerschaften, denen die Dogge zum Opfer fällt, meist wird dann darauf verwiesen, dass das bisherige gemeinsame Haus aufgegeben wird und sich die Zeiten der Berufstätigkeit der beteiligten Menschen verändern. Oft aber Klagen über das Verhalten der Dogge (meist ein junger Rüde), „stürzt sich auf jeden anderen Hund„, „geht nicht an der Leine“, „sabbert so viel“, „ macht alles kaputt, wenn er allein sein muss“ ,“knurrt das Kind an“  usw. usw. Im nachhinein hat sich fast immer gezeigt, dass  es ein Glücksfall für den so abgegebenen Hund war, diese bisherigen Eigentümer verlassen zu können. Es waren nicht die richtigen Menschen für eine Dogge. Oft haben wir nachträglich erfahren, dass der Hund überwiegend in Keller oder Zwinger eingesperrt war, dass es keine regelmäßigen Kontakte zu anderen Hunden zum Spielen und Toben gab und keine gemeinsamen Aktivitäten mit den Menschen. Ich selbst vertrete ohnehin die für Viele recht unbequeme Ansicht, dass eine Mensch-Hund-Beziehung eine unauflösliche Verpflichtung für den Menschen ein Hundeleben lang bedeutet, ich wünschte noch mehr Menschen die beglückende Erfahrung durch das Zusammenleben mit einem Hund so überreich beschenkt zu werden.

 

 

Tierschutzarbeit kostet Geld. Das Freikaufen der Doggen ist oft die einzige Möglichkeit, den Doggen in Not zu helfen. Ein wesentlicher Kostenfaktor sind die Tierarztrechnungen.

Tierschützer, Freunde der Doggen und der Doggen-Nothilfe unterstützen Sie unsere Arbeit, von der wir nicht lassen können, durch ihre Spenden.

 

Eva B.-Gorski

September 2006

 

Spendenkonto: Sparkasse Kreis Plön

BLZ:21051580

Konto:150002368